Korea und die Kunst der guten Beziehungen

Was hat Korea mit einer guten Beziehung zu tun, werden sich nun wohl einige fragen, auch ich hatte es mich gefragt als mir diese Geschichte zum ersten mal begegnete, die ich euch heute hier erzählen möchte.


Blätterrauschen im Wind.

Es geht darin um einen Mann, der in Korea geboren wurde und dort versuchte mit seinen Wissen und seiner Macht sich höher zu stellen als es für ihn gut gewesen wäre.


Sein Name war Maeng Sa-seong. Er lebte von 1360 - 1438 und gehörte der Literatenschicht der Joeseon-Dynastie an.


Ein Überflieger was seine berufliche Laufbahn anbelangt und weit bekannt für seine Klugheit. Allerdings machte ihn sein schneller Erfolg doch recht hochnäsig und ziemlich eitel. Keine Prüfung war ihm zu schwer und so schaffte er es innerhalb weniger Jahre zu einer Stellung, für die er sich offensichtlich innerlich doch nicht reif dafür hielt.


Eines Tages stattete Maeng einem sehr bedeuteten weisen alten Zen-Meister einen Besuch ab. Er wollte von ihm einen sicheren Rat, wie er ein Dorf, dessen Leitung er übernehmen sollte, regieren sollte. Der Meister blieb ruhig und ließ seinem Besuch die Frage wiederholen.


Kleiner Budda

Maeng wurde etwas ungehalten und erhob seine Stimme in der Annahme, dass

der weise alte Meister vielleicht schlecht hörte und ihn nicht verstand.

Also machte er sich daran, seine Frage

ein weiteres Mal zu stellen.


"Meister, was soll ich beim Regieren dieses

Dorfes beachten?"


Der Meister sah ihn an und antwortete gelassen.



"Alles, was nötig ist, um Übel zu vermeiden und Gutes für viele zu bewirken."


"Dass weiß doch jedes kleine Kind" entfuhr es Meang und hängte noch ein "Mehr hast du mir nicht zu sagen, dafür hab ich den weiten Weg auf mich genommen?" hintenan.


Als Meang sich erhob und schon zum Gehen ansetzte, bat ihn der Meister noch ein wenig zu bleiben. Meang setzte sich wieder aber schwieg erzürnt über die, für ihn nicht aussagekräftige, Antwort des Meisters.

Nachdem der Meister für sie Tee zubereitet hatte, stellte er Meang eine Tasse hin und begann einzugießen. Aber er unterbrach sein Tun nicht nachdem die Tasse voll war und so ergoss sich ein See aus Tee über den Tisch und auf den Fußboden. Perplex über das Handeln des Meisters fragt Meang, was er denn da täte.


Der Meister antwortete schlagfertig wie er war:

"Offenbar weißt du, dass zuviel Tee den Boden ruiniert aber wie kommt es, dass du nicht weißt, dass zu viel Wissen den Charakter ruiniert?"


Betreten sprang Meang auf und sprang zur Eingangstüre um zu gehen. Dabei übersah er aber den Türpfosten und stieß mit voller Wucht den Kopf dagegen. Er hielt inne und versuchte die schmerzend wachsende Beule an seinem Kopf durch das Auflegen seiner Hand zu besänftigen.


Kleiner Budda bittet uns doch auch mal leise zu sein


Der Meister lächelte und kommentierte sanft:


"Wenn du den Kopf senkst, stößt du nicht auf Ärger."

Ich befürchte, Meang hat nie wieder einen Zen-Meister aufgesucht. Es ist auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es was diese Geschichte vermitteln möchte. Zuviel Stolz und Hochmut führt zu Konflikten die man durch etwas mehr Bescheidenheit und Respekt vermeiden könnte. Unser Stolz leitet und oft dazu an, uns anderen entgegenzustellen um unseren Willen durchzusetzen, um dem anderen begreiflich zu machen, dass wir selbst besser sind. Wir fügen ihnen damit unbewusst psychischen und emotionalen Schaden zu oder erzeugen damit völlig unnötig Verwirrung und Feindseligkeiten.


Viele von uns investieren Zeit und Geld in ein tolles großes Auto, in ein viel zu großes Haus, große Urlaube und tolle Kleider anstatt sich die Zeit zu nehmen und sie in uns selbst, in unser Gedankengut, unsere Achtsamkeit und unsere Beziehungen zueinander zu investieren. Wir haben verlernt demütig und glücklich zu sein über das was wir haben, über unsere Freundschaften und über unsere Familien.



Nur wer langsam geht, kann die Schönheiten unserer Welt und unseres Leben erkennen.


Wer hastig vorüber geht, übersieht die wirklich wichtigen Dinge und Geschenke die das Leben für uns bereithält.



Wenn man meint, man sei irgendjemand über oder unterlegen, entsteht eine unüberwindbare imaginäre Mauer innerhalb einer Beziehung oder aber in den Beziehungen zu Freunden, Geschäftspartnern oder eben auch nur zu seinem Nachbarn. Vielleicht hilft es in solchen Momenten, diesen einen Menschen der uns gerade gegenüber steht, einfach wie einen alten Freund zu betrachten, einen Freund den man schon eine Zeit nicht gesehen hat um die Schutzhaltung, die sich bei uns aufgebaut hat, aufzugeben und den anderen als Gleich zu betrachten, was er doch in Wirklichkeit auch ist. Alles was uns über ihn stellt ist nur unser eigenes Ego, unsere eigene Wahrnehmung und vielleicht ab und an doch der eigene tief verwurzelte Wunsch, besser sein zu wollen als alle anderen.


Ob nun allerdings Meang sein Dorf nach dem Ratschlag des alten weisen Zen-Meisters regiert oder verwaltet hat, wurde natürlich nicht überliefert. Es bleibt die Hoffnung, dass er es sich zu Herzen genommen hat, was ihm der Zen-Meister vermitteln wollte und gut zu seinen Schützlingen, war.


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© 2023 ADAM KANT / Erstellt mit Wix.com

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